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Hibana: Spark

So langsam trudeln bei Netflix auch asiatische Serien-Produktionen abseits von Anime ein. Bei der Buchumsetzung Hibana: Spark begleiten wir die beiden Komiker Tokunaga und Kamiya bei ihrem Streben nach Anerkennung in der Stand-Up Manzai-Szene (Wikipedia-Link) Tokios. Tokunaga ist ein introvertierter Charakter, bei dem man sich mitunter wundert, wie er es geschafft hat, das Elternhaus überhaupt zu verlassen. Herr Kamiya dagegen ist extrovertiert, wirkt sehr von sich überzeugt und ist auch sonst genau das Gegenteil von Tokunaga. Beide sind jeweils Teil zweier unterschiedlicher Komiker-Duos, pflegen aber nach ihrem ersten Aufeinandertreffen und einer durchzechten Nacht eine Schüler/Lehrer-Beziehung. Sie improvisieren zusammen den Manzai, sie philosophieren über dies und das und sie betrinken sich und essen viel. Viel mehr gibt es hier eigentlich nicht zu sehen, aber das reicht aus. Hibana funktioniert so wie es ist ganz gut.

Humor zu übersetzen, dürfte eine der schwierigsten Arbeiten eines Übersetzers sein. Wenn die Sprache dann auch noch komplett anders aufgebaut ist, als die eigene, ist es fast schon ein sinnloses Unterfangen. Ich bin so etwas wie ein Veteran des japanischen Films und trotzdem wirkt Hibana mit deutschen Untertiteln auf mich wie ein kleiner Kulturschock. Interessanterweise mag ich es trotzdem sehr. Die Serie fängt wunderschöne urbane Bilder aus Tokio ein, ihre Figuren sind liebenswert, Kento Hayashi als Tokunaga und Kazuki Namioka als Kamiya sind großartig und das Essen macht mich so hungrig, dass ich am liebsten nach jeder Folge direkt ins nächsten japanische Restaurant laufen möchte.

Die Zielgruppe von Hibana auf Netflix dürfte sich zahlenmäßig mit einer Gruppe Einradfahrer auf einem Harley Davidson-Treffen decken, aber hey: Noch ist Netflix so etwas fast egal, denn es zählt, den Katalog so voll zu packen, dass er die Konkurrenz übertrifft. Und dass Netflix dabei auch solche Nischen bedient ist mehr als löblich.

Stranger Things

Ich liebe Netflix. Jetzt isses raus. Aber das musste sein, denn Netflix fängt an, sich so richtig warm zu laufen. Die hauseigenen Produktionen kommen langsam aber sicher in so etwas wie regelmäßigen Abständen und können mich immer öfter überzeugen. So wie Stranger Things, eine Serie, die ich so gar nicht auf dem Schirm hatte und die mich dann auch noch überaus positiv überraschte. Nach der Sichtung der ersten beiden Folgen waren wir derart angefixt, dass wir die restlichen sechs Episoden in einem Rutsch schauten. Ein Novum in unserem Alltag.

Mit einer Atmosphäre wie zu Spielbergs magischen Zeiten, einem Soundtrack wie aus der Feder des Altmeisters John Carpenter und Teenagern, die scheinbar direkt aus Goonies/Poltergeist/Stand By Me/etc entliehen sind, ist Stranger Things Fanservice für Achtziger Kids am laufenden Band. Ich habe keine Ahnung, wer die Duffer Brüder sind, die sich für dieses Spektakel verantwortlich zeigen und ich habe gerade auch keine Lust das zu recherchieren, aber sie haben mich geradewegs in meine Vergangenheit katapultiert und das hat sich saugut angefühlt. Stranger Things ist wie ein Videoabend mit Freunden auf Matratzen vor dem alten VHS-Rekorder. Mit Erdnussflips und Filmen, die eigentlich noch gar nichts für uns waren.

Neben Winona Ryder, die ich immer gerne sehe, empfand ich vor allem David Harbours ausgepowerte Sheriff-Figur und deren Charakterentwicklung als sehr gut geschrieben und gespielt. Sogar die Kinderdarsteller haben mir gut gefallen. In den Achtzigern war sowas keine Seltenheit. In der heutigen Zeit, in der wir der Brut der Schweigers und Smiths hoffnungslos ausgeliefert sind, ist man da ja erst einmal skeptisch. Vieles, was in den Achtzigern im Film funktionierte, ist heute bloß noch überflüssiges Relikt. Das ein oder andere findet sich auch hier im Drehbuch wieder. Übel nehmen kann ich das den Duffers aufgrund des souverän durchgezogenen Konzepts aber nicht.

Ob es jüngeren Zuschauern ohne die rosa Achtziger-Brille genauso geht wie mir, vermag ich nicht zu beurteilen. Ob sich das Gefühl nach einer Staffel bereits abgenutzt hat oder ob noch Potential für weitere Folgen besteht, ebenso nicht. Aber ich lasse mich da gerne überraschen.

Zootopia

Endlich kann ich wieder über mein Lieblingsthema meckern: die idiotische Namensgebung bei deutschen Disney-Filmen. Zootopia haben die Kasper in Zoomania umbenannt und weil sie den Film noch gar nicht gesehen haben, wussten sie auch nicht, wie unglaublich dämlich diese Entscheidung war und dass sie gleich in einem der ersten Sätze des Films absolut keinen Sinn macht:

Knapp 350 Kilometer von hier befindet sich die Stadt Zoomania

Dass das total dämlich ist, ist den Kaspern jetzt natürlich egal, denn die sitzen gerade irgendwo im Starbucks, trinken ihren Latte und überlegen sich dabei neue, möglichst blöde Titel für kommende Filme oder ihre kommenden Kinder.

Mir sollte das völlig egal sein, denn ich guck die Teile eh nur wegen meiner Tochter. Wenn am Ende dann aber wieder nur das Du-kannst-alles-erreichen-wenn-du-nur-willst-Schema rumkommt, kann ich bloß noch kopfschüttelnd seufzen. Er war stets bemüht.

Aber ein realistischer und deshalb desillusionierender Animations-Film mit Millionenbudget und einer Protagonistin, die am Ende aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechts angeschissen dasteht und nichts hat, außer vielleicht noch ihr Leben, spült halt auch kein Geld in die Kassen.

Boah, wie negativ. Ich muss schnell noch so'n Film gucken, um wieder Hoffnung zu schöpfen. Vielleicht Ratatouille. Da können sogar Ratten Küchenchefs werden. Ja, genau! Ich bin hier nicht die Zielgruppe und dieser Text ist deshalb auch nicht besonders relevant. Meine Tochter ist die Zielgruppe, hat ihn gleich zweimal geschaut und findet ihn großartig. Das könnte relevant sein.

Jason Stathurday: Bank Job

Es ist Jason Stathurday und weil das Feriendomizil neben einem Netflix-untauglichen IKEA Smart TV lediglich eine Bank Job-DVD aufweist, bleibt uns zumindest die Qual der Wahl erspart. Eines vorweg: Bank Job sollte in keiner Ferienwohnung liegen. Er sollte überhaupt nirgends liegen, außer in einer Recycling-Box.

Der Film schwamm wohl irgendwo im Fahrwasser des The Italian Job-Remakes mit und da komme ich auch gleich auf den einzigen positiven Punkt, der mir zu diesem Machwerk einfällt: Mark Wahlberg spielt nicht mit.

Der Rest ist belanglos und irgendwie blöde. Nur ein früher Job in der Jason Statham-Schublade, aus der dieser bis heute nicht mehr rausgekommen ist und dessen einziger mutiger Aspekt der ist, dass Statham hier niemandem mit einem Löffel und militärischer Präzision den Garaus macht. Leider, muss ich in diesem Fall ja fast schon sagen.

Ghostbusters Review von Justin McElroy

Excellent news for those who worry that the new Ghostbusters film will ruin their childhood: I can now conclusively say it's not going to happen. Now, I haven't seen the finished film, but I can say with absolute certainty that a wholly different Ghostbusters product is going to beat it to the proverbial punch, turning your childhood into a blasted wasteland, an unthinkable hellscape upon which no life will grow for a thousand years.

Justin McElroy bewies bereits mit einem großartigen Text zum Teenage Mutant Ninja Turtles-Spiel sein Talent für Verrisse. Jetzt hat er es erneut getan und für Polygon über das neue Ghostbusters-Spiel geschrieben. Ich glaube einem Kommentar, der dort mutmaßt, dass das wahrscheinlich der größte Spaß ist, den wir mit diesem Titel haben können. Ich freue mich auf weitere Texte dieses Autors zu schlechten Spielen.