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The Get Down

Der „Get Down“ ist der Teil eines Songs, der zu einem dopen Breakbeat geloopt werden kann. Nichts verstand? Dann stellt euch einfach mal James Browns „Funky Drummer“ vor. Habt ihr im Kopf? Gut. Jetzt spult dort einfach drei Minuten vor und irgendwo da müsste dieses wahnsinnig gute Trommel-Solo anfangen. Und genau das ist der „Get Down“. Weil dazu dann die Menge abgeht, wenn dieser Teil des Songs gekonnt von zwei Schallplatten auf zwei Plattentellern so gemixt wird, dass er sich beliebig lange wiederholt. Über kurz oder lang führte das zur Sampling- und damit unweigerlich auch zur wichtigen Remix-Kultur. Und zu Gerichtsverfahren, die senile Idioten wie Kraftwerk immer mal wieder führen, weil sie nicht kapieren, dass nicht selten auch das Original von einem Sample oder einem Remix durch diese Kultur erneute Aufmerksamkeit bekommt.

Wie dem auch sei: Der „Get Down“ wird euch in der gleichnamigen Netflix-Serie noch viel besser erklärt, denn er zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Staffel und webt die Geschichten aller beteiligter Figuren zusammen. Der „Get Down“ ist hier aber noch mehr. Er ist auch eine Metapher auf das Leben der Protagonisten, die alle nach der einen coolen Stelle in ihrem Dasein suchen. Das ist in den späten Siebzigern in der Bronx, die im wahrsten Sinne des Wortes brennt, kein leichtes Unterfangen.

Und weil Buz Luhrmann das alles irgendwo zwischen Wild Style, Beat Street, The Warriors und seinem eigenen Film Romeo & Juliet inszeniert, ist dieses Coming of Age Drama wunderbar bunt und überdreht. Da darf Ikonen der Geschichte wie Grandmaster Flash und Kool Herc schon mal eine Siebziger-Kung-Fu-Film-Ästhetik umgeben, eingeschnittenes Archivmaterial das gelungene Bild der Bronx unterstreichen und Herizen Guardiola auch mal einen souligen Ausflug zu Sister Act machen. Luhrmann darf das und unterm Strich ist es ein ziemlich gewagtes Experiment, das ich als gelungen bezeichnen kann.

Justice Smith als Ezekiel ist ein absoluter Knaller und seine Reibeisen-Stimme in seinen Rap-Parts eine echte Offenbarung. Wenn er im Piloten der Serie mit Kloß im Hals erstmals etwas Spoken Word zum Besten gibt, dann ist das ein kraftvoller Gänsehaut-Moment.

Und dann ist da auch noch Nasty Nas, der als Stimme aus der Zukunft in kurzen Songs regelmäßig sein Resume zur Story vorträgt. Und weil ich im Eingang dieses Texthäppchens so schön über die Kraftwerk-Attitüde gemeckert habe, darf ich mich hier auch nicht darüber beschweren, dass der Bengel von Will Smith (dessen schauspielerischen Beitrag ich in „The Get Down“ sehr schätze) meinen geliebten Song „Vitamin C“ der Kölner 70s-Funker Can auf dem Soundtrack aufs Äußerste malträtiert.

Wunderschönes No Man's Sky

No Man's Sky ist der Wahnsinn und fesselt mich in jeder freien Minute. Trotz einiger Ecken und Kanten. Eine davon ist ein fehlender Foto-Modus, der die vielen tollen Momente ohne das lästige HUD oder eine Wegmarke festhalten könnte. Ich habe meine schönsten Bildschirmfotos deshalb retuschiert, die störenden Elemente entfernt und hier in den Beitrag geladen. Eventuell stelle ich im Laufe meiner Reise durch die Galaxie hier noch weitere Bilder dazu.

Update: Ich habe ein Imgur-Album angelegt, wo ich noch weitere editierte Bilder hochladen werde: Beautiful No Man's Sky.

Update:

Reigns

Wenn ihr gerade einmal keine Zeit habt, No Man's Sky zu spielen (also auf dem Klo, in der Bahn oder auf einer Beerdigung), dann empfehle ich euch Reigns fürs Smartphone. Ein genial simples Kartenspiel mit einigen interessanten Twists. Ziel ist es, möglichst lange als König zu regieren und dafür bei jeder Karte zu versuchen, die bestmögliche Entscheidung für Volk, Armee, die Kirche und die eigene Kasse zu treffen. Klappte bei meinen ersten Versuchen so lala. Nach 24 Jahren hat die Pest zuerst mein Volk, dann meine Armee und danach mich selbst dahin gerafft. Das geht noch einiges.

No Man's Sky

Ich bin sowas von am Arsch.
Das ist meine wohlüberlegte Meinung. Am Arsch. Eine Stunde nach Beginn der vermeintlich großartigsten Zeit meines Lebens setzte der Albtraum ein. Ich weiß nicht, wer dies hier überhaupt lesen wird. Vermutlich wird es irgendwann einmal jemand finden. Vielleicht in hundert Jahren.

Fürs Protokoll: Ich bin nicht Mark Watney und das hier ist nicht der scheiß Mars.

Erkunde Sterne in weit entfernten Galaxien, haben sie gesagt. Entdecke neue Planeten, außerirdisches Leben und Relikte längst vergangener Tage, haben sie gesagt. Verliere dich in der Unendlichkeit, haben sie gesagt. Jetzt hocke ich hier verloren auf dem kalten Stein eines mit irgendwie sehr unbehaglich aussehender Flora überzogenen Planeten, friere mir bei Minusgraden den Hintern ab und habe laut meines Lebenserhaltungssystems noch etwa elf Minuten, um mir den Mist hier doch noch irgendwie schönzureden. Läuft.

Mein Raumschiff ist auf diesem fremden Planeten notgelandet, hat sich dabei den Pulse- und Hyperantrieb zerstört, die Starter-Schubwerke verbogen, meinen Raumanzug beschädigt und auch sonst ist alles eher so doof. Ein Flüchtigkeitsfehler biologischen Lebens steht friedlich auf sechs Beinen neben mir und starrt wiederkäuend mit leeren Augen aus so etwas wie einem Büffel-Gesicht an mir vorbei. Es ist hässlich wie die Nacht und ich spiele mit dem Gedanken, es zu erlösen, bevor ich in ein paar Minuten selbst dahinscheide. Jeden Tag eine gute Tat und so.

Ich bringe es nicht übers Herz und schieße stattdessen auf einen wunderschönen Kristall, einfach, um irgendetwas kaputt zumachen. Mein Multi-Funktions-Blaster piept aufgeregt, als er mir mitteilt, dass er dabei wertvolle Ressourcen aus dem Kristall extrahiert hat. Ressourcen, die mir helfen können, hier rauszukommen!

Bereits einige Minuten später ist mein Lebenserhaltungssystem repariert und eine Stunde später stehe ich mit verschränkten Armen neben meinem einigermaßen wieder in Stand gesetzten Raumschiff. Neben mir furzt der sechsbeinige, hässliche Büffel und ich überlege kurz, mich in meinen Helm zu übergeben. Ich habe ihn Bob genannt. Den Büffel. Mein Finger zuckt leicht, während mein Handballen auf dem Blaster ruht.

Nachdem ich mich von Bob verabschiedet habe, bin ich mit dem Schiff gestartet, um den Planeten weiter zu erkunden. Ein riesiger Außenposten mit mehreren Lande-Plattformen empfängt mich herzlich mit viel Leere und einem außerirdischen Wesen, einem Gek, das so unglaublich hässlich ist, dass ich mir jetzt schon Bob zurückwünsche. Es spricht nicht meine Sprache. Natürlich nicht. Ich seine auch nicht. Wir handeln trotzdem und weil ich in friedlicher Absicht unterwegs bin, lächle ich freundlich, während ich ihm die Ressource, die ich Minuten zuvor im Angebot an einem intergalaktischen Handels-Terminal erworben habe, für das Doppelte weiterverkaufe. Immer freundlich lächeln! Ich mag ihn. Er bietet mir sein Schiff an. Es ist groß, schön und auch sonst ein Traum. Ja, sag ich. Eine Million Geld, sagt er. Ich hasse ihn.

Mit meinem Geld in der Tasche und immer noch in meinem alten Schiff unterwegs, erkunde ich noch einige Stunden weiter den Planeten, baue dabei kostbare Metalle und Gase ab, lerne noch mehr hässliche Tiere kennen und ich finde sogar eines dieser Relikte, die mir versprochen wurden. Und ich habe ein Wort in der Sprache der Gek gelernt: „Gek“. Fragt einfach nicht. Bitte fragt einfach nicht.

Ich verlasse den Planeten und mache mich auf dem Weg zu einer Raumstation, als ich mit einem Lächeln auf dem Gesicht über das Erlebte des Tages sinniere und ich denke so bei mir: Es sah heute morgen nicht so aus, aber sie hatten recht. Das hier sollte doch noch die großartigste Zeit meines Lebens werden. Ich muss an Bob denken und stoße ein leises Kichern aus, weil ich an seine total bescheuerte Art zu gehen und die dämliche Art, wie er guckt denken muss, als eine nervöse Computerstimme mich vor herannahenden Schiffen warnt.

Händler, denke ich und freue mich darauf, meinen Frachtraum voller wertvoller Gegenstände zu horrenden Preisen feilzubieten. Scheiße, denke ich, als auf dem Monitor zur Identifikation sich nähernder Schiffe eine Piratenflagge erscheint.

Ich bin sowas von am Arsch.

Hier sollte ein Text über No Man's Sky stehen ...

... aber ich finde nicht die Zeit, einen solchen Text zu schreiben. Ich kann einfach nicht aufhören No Man's Sky zu spielen.