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Still out there ... somewhere

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Samurai Gourmet

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Nach Midnight Diner: Tokyo Stories läuft bei Netflix nun schon die zweite Manga-Realverfilmung als Serie an: Samurai Gourmet. In zwölf Episoden wird hier das Trauma eines japanischen Rentners im Ruhestand thematisiert, der sich erstmal völlig in seiner lebhaften Fantasie verlieren und sich einen herrenlosen Samurai vorstellen muss, bevor er sich zum Beispiel traut, nachmittags ein Bier in einem Restaurant zu bestellen. Da fällt dem Hannoveraner aus Vahrenwald morgens um zehn vor Lachen beinahe der Goldbrand aus der Hand! Wenn Samurai Gourmet eines ist, dann der Beweis dafür, dass Japaner in ihren Serien nichts machen können, was ich nicht gucken würde. Außer es wäre eine Serie zu Fruit Chans Film „Public Toilet“. Nicht mal die doppelte Bildrate, in der „Samurai Gourmet“ ausgestrahlt wird, und dank der es sich die optische Ästhetik mit einer Vormittags-Telenovela und einer Pfanne Würmer teilt, schreckt mich hier ab. Den Naoto Takenaka als Beamter im Ruhestand entstellt halt so schnell nichts. Einziger Nachteil: Genau wie bei „Midnight Diner“ gilt auch hier die Empfehlung, Samurai Gourmet entweder vor oder während des Essens zu schauen. Sonst steht man ob der vielen Leckereien nach einer der 20-minütigen Folgen schnell wieder vor dem Kühlschrank und holt sich noch einen Nachschlag. Aber so richtig schlecht ist das ja auch nicht. Stellt man sich halt eine Horde Sumo-Ringer als Gäste vor.

Marvel's Iron Fist

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Der Internet-Hassmob scheint sich nach Monaten endlich von „No Man's Sky“ abgewendet zu haben. Nur noch ein paar Gehirne auf Sparflamme geben hier und dort noch ihren unqualifizierten Senf ab. Der Rest ist dazu übergegangen, „Mass Effect: Andromeda“ und „Marvel's Iron Fist“ zu diffamieren. Dem Protagonisten der eisernen Faust wird dabei vorgeworfen, weißgewaschen zu sein, was in Hollywood trauriger weise auch 30 Jahre nach einem zum Inder geschminkten Kaukasen im Film „Nummer 5 lebt“ immer noch Praxis ist und bei Gelegenheits-Idioten wie Ridley Scott sogar immer noch als selbstverständlich gilt. Nun kann man sich natürlich darüber streiten, ob jetzt ausgerechnet einem kaukasischen Comic Helden vorgeworfen werden kann, dass er nicht von einem asiatischen Schauspieler dargestellt wird, bloß, weil er gut Kung-Fu kann. Zusätzlich reden wir hier von einem Genre, in dem Whitewashing in ziemlich genau 99 Prozent der Fälle, von Chris Farley bis Michael Dudikoff, immer in einer mal mehr oder mal weniger großen Katastrophe endete, und nur genau ein einziges Mal, und dann mit David Carradine in der Hauptrolle funktioniert hat. Man darf sich also darüber streiten und wird das auch noch lange tun, aber eins kann ich nach drei Folgen der neuen Netflix-Serie bereits jetzt sagen: Das hier ist allemal unterhaltsamer als Schnarchnase Jessica Jones und Post-Cottonmouth Luke Cage zusammen. Natürlich ist da für mich noch alles offen, und wenn sich die nächsten Tage herausstellt, dass es doch noch in die Hose geht, dann liegt es sicherlich daran, dass hier wieder bloß der Weg für die Defender geebnet werden musste. Oder an Claire Temple. Beides ist wahrscheinlich. Ich bleibe dran.

Every No Man's Sky Base Needs a Toilet

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Every No Man's Sky Base Needs a Toilet

Logan

vor 3 Wochen 4 Tagen unter

Seit fast zwei Jahrzehnten mimt Hugh Jackman nun schon den Wolverine und seltsamerweise funktionierte das immer dann am besten, wenn er als Teil der X-Men unterwegs war. Dort rettete er dann nicht nur die Welt, sondern auch mal den ganzen Film, was ihm solo in zwei Wolverine-Teilen nie wirklich gelingen wollte. Eigentlich ein Widerspruch, bedenkt man, dass er nie so der große Teamplayer war und oft nur widerwillig oder unter Protest seinen Platz in den Reihen der X-Men einnahm.

James Mangold, Regisseur des dritten Wolverine Films „Logan“, verlässt deshalb konventionelle Pfade und inszeniert ein wundervoll brutales Road Movie in einer fast mutantenlosen Zukunft, das die Ära Hugh Jackmans als Wolverine so stilvoll beendet, als wäre es Mickey Rourke in „The Wrestler“. Dass Mangold diesen Film mit der eher ungewöhnlichen Superheldengeschichte und in 2D drehen konnte, ist wahrscheinlich weniger ein Beweis seiner Überredungskünste, als ein Indiz dafür, dass die Übersättigung und der Zerfall des Superheldenfilms nicht nur im vollen Gange ist, sondern endlich auch von Studiobossen wahrgenommen wird.

„Logan“ ist im direkten Vergleich zu seinen Vorgängern nicht nur erzählerisch anders, sondern auch noch richtig harter Tobak, und das nicht nur dann, wenn es Blut aus Eimern auf die Darsteller regnet. Wenn ein emotionaler Monolog mir als Zuschauer fast die Tränen der Rührung in die Augen treibt, nur um mir im nächsten Moment einen Twist, so schwarz wie die Nacht, um die Ohren zu hauen, erkenne ich geschockt, dass die Verantwortlichen keine noch so perfiden Methoden scheuten, um diesen Film unvergesslich zu machen. Der stetig voranschreitende Zerfall der einst so großen Helden Wolverine und Charles Xavier tun dabei nicht weniger weh. Und das einzige, woran ich mich als Zuschauer klammern kann ist ein kleines Mädchen, dessen kurzes, von Traumata bestimmtes Leben, eigentlich nicht ungeeigneter als Sinnbild für Hoffnung und Neuanfang stehen könnte.

In einer besseren Welt wäre „Logan“ nicht nur der letzte Wolverine-Film, sondern auch das Ende der X-Men-Reihe. In unserer Welt ist es leider nur ein Reboot und kommende Installationen werden weiter mit der Übersättigung des Genres und mit den Schwierigkeiten der Vorgängerfilme zu kämpfen haben. Immerhin dann wahrscheinlich ohne einen Deadpool mit zugenähtem Mund. Ich kreuze diesbezüglich meine Finger sicherheitshalber zu einem X.