Kamui Gaiden

vor 6 Jahren 2 Monaten unter

Verfilmungen klassischer Manga gibt es viele. Je nach Anspruch der Vorlage geht das mal ganz gut, mal weniger gut. Im Fall des Manga Legend of Kamui hängt die Latte der zu erreichenden Qualität allerdings derart hoch, dass man sich fragt, warum überhaupt jemand auf die Idee gekommen ist, den vielleicht anspruchsvollsten Ninja-Comic real zu verfilmen. Wenn man über “Kamui Gaiden” in Zukunft noch sprechen wird, dann wohl höchsten in den Hörsälen der Universitäten, wenn Professoren angehenden Filmemachern Negativbeispiele für Umsetzungen hochwertiger Comicvorlagen vermitteln.

Ehrlich gesagt habe ich gar nicht geglaubt, dass der Film auch nur ansatzweise überzeugen könnte. Im Gegenteil. Die warnenden Zeichen waren zahlreich und ich habe sie alle erfolgreich gedeutet, fühlte mich aber dennoch verpflichtet, den Film anzuschauen. Zu den Zeichen der Warnung: wenn ein Mitarbeiter des deutschen Filmverleihs KSM GmbH dem Film die Tagline “The Last Ninja” gibt, dann beneide ich ihn. Er musste sich den Streifen im Gegensatz zu mir nämlich offensichtlich nicht anschauen. Glück gehabt, mein Freund. Wenn dann die hauptdarstellenden Gesichter auf dem Cover noch das neue japanische Pop-Kultur-Schönheitsideal “Westlich” abdecken und man zweimal hinschauen muss, ob man nicht das neue Tokio Hotel Album in der Hand hält, weiß man eigentlich schon, für welche Zielgruppe dieser Film gemacht wurde.

Zur Erinnerung: der Manga erzählt mit viel Liebe zum Detail die Geschichte eines Nukenin, eines ehemaligen Ninja, auf der Flucht vor seinem Clan und wie dieser den Fischer Hanbei kennenlernt, der ihn versucht zu überreden, ebenfalls mit der Fischerei seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Auf einer Insel lernt Kamui und somit auch der Leser viel über die täglich zu verrichtenden Arbeiten der Fischerleute und nutzt diese neuen Erkenntnisse, um seine Techniken zur Verteidigung gegen Verfolger weiter zu entwickeln. Was man dem Film zu gute halten kann, ist die Tatsache, dass er sich im Großen und Ganzen wirklich dicht an die Geschehnisse der Buchvorlage hält, dabei aber mit einem Holzhammer jedes noch so wunderbare Detail des Comics in Grund und Boden stampft, mit einer knallbunten Bonbon-Optik überzieht und das ganze mit Computeranimationen zum Fremdschämen verziert.

Im Manga besticht Sanpei Shiratos Darstellung des Kamuis mit einer eiskalten Rationalität vor allem gegenüber Hanbeis Tochter Sayaka, die sich zum Unbehagen ihrer Mutter in den jungen Nukenin verliebt hat. Der Kamui im Manga hat nur Augen für das Leben der Fischer in der Hoffnung mehr Geheimnisse des Lebens zu lüften um sich so weiter zu formen. Im Film kann Kamui vor allem eins gut: schmollen. Und wieder tritt er die anspruchsvolle Vorlage mit Füßen und verkommt weiter zum tranigen Billig-TV-Dorama mit Überlänge.

Zum Glück für all diejenigen, die sich nicht wie ich in den Kopf gesetzt haben diesen Film zu Ende zu schauen, komme was wolle, ist die erste Viertelstunde des Machwerks derart groteskt schlecht ausgefallen, das schon ein Fünkchen Selbstachtung reicht, den Filmdatenträger abrupt aus dem Abspielgerät zu befördern. Wirklich besser wird es danach aber auch nicht. Einfach famos, mit welcher Gleichgültigkeit hier schlechte Computeranimation während der Action-Szenen im Minutentakt eingesetzt wird, um auch noch den tolerantesten Zuschauer auf die schlecht animierte Palme zu bringen.

Vielleicht hätte die englische Tagline der deutschen Version einfach “The Lost Ninja” heißen sollen. Das verpasst dem ganzen eine unfreiwillige Komik, lässt aber den Kamui im Film vermutlich auch wieder nur schmollen. Macht euch lieber einen schönen Abend mit der von Stan Sakai (Usagi Yojimbo) geletterten US-Version des Kamui Manga und schaut euch danach den Film Goemon an. Das hat miteinander überhaupt nix zu tun, macht aber beides Spaß und ist genau das, was “Kamui Gaiden” verzweifelt versucht hat zu verbinden und wobei er lang hingeschlagen ist.