Warum Kino für mich bald keine Option mehr ist

vor 2 Jahren 8 Monaten unter

Gestern wollten meine Frau und ich zusammen ins Kino. Die Möglichkeit, dies auch zu tun, ergibt sich mit Kind nicht allzu oft. Normalerweise sind wir Freunde des Programmkinos. In diesem Fall, Godzilla, fand ich es aber wichtig, dass meine Frau ihn, aufgrund des astreinen Sound-Designs, im Kino sieht, weshalb wir also das Foyer des Cinemaxx betraten. Was folgte, war ein beeindruckendes Exempel, warum Kino für uns bald keine Option mehr ist. Im Folgenden nun eine Abschrift der Ereignisse.

Der Film lief im kleinsten Saal. In 3D, was unterm Strich für zwei Personen immer noch satte 28 Euro kostete. Um 14:30 Uhr, nicht etwa zur Prime Time. Hallo?! Ich bin mir sicher, dass die Verleih-Preise der Filme exorbitant hoch sind, aber dummerweise stieg mein Gehalt in den letzten Jahren nicht ganz so stark an, wie die Kinopreise. Hätte ich nicht noch Gutscheine gehabt (zu denen ich trotzdem noch zehn Euro zuzahlen musste. Wegen 3D!), wäre der Abend damit erledigt. Dann lieber Arthouse im Programmkino.

Mit uns waren etwa zehn andere Besucher im Kino. Sie waren alle scheiße. Alle. Vater und Sohn (etwa 15 Jahre) hinter uns waren das Dynamische Duo. Der Vater hat alles und jeden Satz von der Werbung bis zum Film manisch kommentiert. UND SO LUSTIG! Wenn ich schlechte Comedy sehen will, schalte ich das deutsche Fernsehen ein. So einfach ist das.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm und so quatschte auch der Sohn den ganzen Film munter vor sich hin. Ich gebe zu: Godzilla ist ein komplizierter Film. Das kann man sich alles unmöglich merken und nach dem Film diskutieren. Find ich ganz besonders toll: Wenn die Action dann zu laut wird, wird natürlich auch lauter gesprochen. Dynamisches Sound-Design und so.

“Er ist wieder da!”

Nebenbei gehörte er auch noch meiner Gattung Lieblingsmenschen an, die jeden eingeblendeten Satz laut vorlesen müssen. “Er ist wieder da!”, “2015 im Kino”, “15 Jahre später”, “Äh … was bedeutet denn Coming Soon?”. Applaus! Er kann lesen! Ich habe ihn gebeten das zu lassen. Er hat mich nicht verstanden. Er war blöd.

Der junge Mann vor mir hat ganze zehn Minuten durchgehalten, bevor er das erste Mal das Kino verließ. Ich gehe mal davon aus, dass er auf dem Klo war. Das ging dann alle 20 Minuten so. Bis auf die letzte Stunde. Da habe ich mir etwas Gedanken um ihn gemacht und habe gehofft, dass der Arme jetzt nicht auf den Sitz gepinkelt hat. Ach was soll’s. Der Kinoboden hat so dermaßen geklebt, dass ich dort mit den Schuhen festklebte. Da macht ein bisschen steriler Urin keinen Unterschied mehr.

In unregelmäßigen Abständen geht immer wieder um mich herum das Licht an. Menschen. Gucken. Im. Kino. Auf. Ihr. Smartphone. HALLO?! Ich bin von meinem Smartphone abhängig, weil das Smartphone die großartigste Erfindung unser Zeit ist und alles einfacher macht. ABER IM KINO MUSS MAN DORT NICHT DRAUF SCHAUEN! Wer es nicht schafft, einen Film zu schauen, ohne zwischendurch auf sein Telefon zu starren, ist ein armer Mensch. Wirklich. Und einer, der nicht ins Kino gehen sollte. Danke.

Der Abspann. Geschafft! Nee, doch nicht. Ich will nämlich sitzen bleiben. Der Leute im Abspann wegen und weil man dort auch immer wieder interessante oder aufschlussreiche Dinge über den Film lesen kann. “Das ist kein Marvel-Film, da musste nicht sitzen bleiben”. Autsch. Egal, das kann jeder für sich entscheiden. Was gar nicht geht ist vor mir aufstehen und einfach stehenbleiben. Passiert mir aber ständig. Weil ja jeder für sich alleine im Kino ist. Da ist der Kinogänger dem Autofahrer nicht unähnlich.

Naja. Damit ihr es wisst: Gehört ihr zu einer dieser Gruppen, ist es genau eure Schuld, warum das Kino irgendwann keine Option mehr ist (außer ihr habt auch eine schwache Blase. Dann solltet ihr einfach mal zum Arzt gehen). Ganz, ganz herzlichen Dank! Für alle anderen: Die Revolution des Heimkinos ist in vollem Gange. Einige US Filme werden bereits parallel zum Kinostart auch On Demand als Stream angeboten. Zum Beispiel von iTunes. Das ist meine Film-Zukunft. Irgendwann.